Der Riese, Luftschiff
Archives photographiques (Médiathèque de l'Architecture et du Patrimoine)
© CNM
Über verschiedene große Portale können wir uns mit der Ansicht der Erde vom Himmel aus vertraut machen können. Diese beeindruckenden Sammlungen zeigen, wie Luftbildaufnahmen seit einigen Jahrzehnten nicht nur als Hilfsmittel für Geografie, Kartografie sowie Stadt- und Bauplanung genutzt werden, sondern auch dazu, die Erinnerung an eine sich ständig verändernde Landschaft zu erhalten und mit Hilfe der Luftbildarchäologie ansonsten unsichtbare Bodendenkmäler zu finden.
1. 1. Die Anfänge der Luftbildaufnahmen
Die ersten Luftbildaufnahmen machte der französische Fotograf Nadar 1858 in einem Heißluftballon aus 80 Metern Höhe. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts folgten in Europa viele Aufnahmen von Denkmälern, die vom Ballon aus gemacht wurden, beispielsweise Stonehenge in Großbritannien oder Rom und Ostia in Italien.
Während des ersten Weltkrieges wurden Luftbildaufnahmen benutzt, um die Truppenbewegungen auf dem Boden und in der Luft systematisch zu verfolgen. Gleich zu Beginn entdeckten englische, französische und deutsche Soldaten alte Denkmäler an den ostmediterranen Grenzen, in Wüsten und in semiariden Gebieten. In Syrien machte der Jesuit Poidebard zwischen 1925 und 1942 außergewöhnliche Fotos.
O. G. S. Crawford war 1922 in Großbritanniender erste, der vollständig abgeflachte archäologische Stätten in Gebieten entdeckte, in denen die Landwirtschaft ein Entdecken erschwerte. Crawfords Fotografien machten diese „Phänomene von Wessex“ sichtbar – Erscheinungen aus der Vergangenheit, die durch ihre Veröffentlichung große Aufmerksamkeit erregten.
Roger Agache, Noyelles-sur-Mer, (Somme), Luftaufnahme einer Begräbnisstätte der Bronzezeit
© Ministère de la Culture / R. Agache
2. Pioniere bis heute
Die außergewöhnlichsten Fotografien machte Professor John Kenneth Saint Joseph nach 1939. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte er seine Flüge mit den Flugzeugen der Royal Air Force fort. Mit einer speziellen Ausrüstung der Universität Cambridge an Bord und gemeinsam mit einem speziell ausgebildeten Piloten machte er bis 1980 hunderttausende Schwarz-Weiß-Fotografien. Er spezialisierte sich dabei auf das Fotografieren von Ausgrabungen römischer Siedlungen.
Weitere Forschung erfolgte in Deutschland (durch Irwin Scollar und Otto Braasch), in Belgien (durch Charles Léva) und vor allem in den letzten Jahren in Italien, Spanien, den Niederlanden, Rumänien, der Schweiz, Luxemburg und Schweden.
In Frankreich war insbesondere in den 1950er Jahren eine erste Generation der Luftbildfotografen aktiv. Zu ihnen gehörte Roger Agache (geboren 1926), der bis heute mit Leidenschaft und Ausdauer den Norden Frankreichs erforscht. Seine außergewöhnlichen Kampagnen unterstützen unser heutiges Verständnis der vorrömischen und römischen Zeit in der Somme. Als Autor vieler Publikationen entwickelte er eine Methode der Luftbildaufklärung. Seine Sammlung mit vielen tausend außergewöhnlichen Luftbildaufnahmen überließ Agache dem französischen Kulturministerium.
- Agache-Sammlung unter MICHAEL-fr
- Agache-Sammlung in der Datenbank Memoire
- Roger Agache Webseite, erstellt vom französischen Kulturministerium, Luftbild-Archäologie in Nord-Frankreich
Ein anderer französischer Pionier war Roger Henrard (1900-1975). Er war ein außergewöhnlicher Pilot, ein „Jäger guter Bilder“, der ganz Frankreich überflog und fotografierte. Er bekam sogar die Erlaubnis, Paris zu überfliegen. Der „Heritage Service“, der Teile der Sammlung Henrards konserviert, hat Fotos der Regionen Centre und Poitou-Charentes, der Départements Somme und Orne sowie der Städte Angers und Elbeu digitalisiert.
Roger Henrard, Château de Chenonceaux (Indre-et-Loire), Blick aus der Luft aus dem Jahr 1955
© Inventaire général, ADAGP
In Großbritannien
Die hohe Anzahl an Luftbildaufnahmen, die nach dem Zweiten Weltkrieg von der Royal Air Force angefertigt wurden, um durch die nationale englische Kartographie-Behörde („Ordnance Survey“) Karten herzustellen, wurde vervollständigt durch neuere Aufnahmen, die von lokalen Behörden beauftragt wurden. Diese Fotografien werden vor allem von Archäologen zur Erkundung von archäologischen Stätten benutzt und in nationalen Sammlungen der in England, Schottland, Wales und Nord-Irland für das Kulturerbe zuständigen Behörden aufbewahrt. Die Gemeinde Norfolk County hat Luftaufnahmen aus den Jahren 1946 und 1988 digitalisiert.
Eine Anzahl regionaler Archäologie-Luftbild-Fotografen war in Großbritannien seit den 1950ern aktiv. Einige ihrer Fotos sind digitalisiert und online verfügbar. Beispielsweise die Fotografien von Norman McCord, die über SINE verfügbar sind.
Fotografien unter anderem von Paul Gilman sind online verfügbar durch „Unlocking Essex’s Past“. Das Angebot wird durch die Gemeinde Essex County als Teil des „East of England Sense of Place“ Projektes verfügbar gemacht.
Tivoli, feuille IGM 150
Villa Hadriana, Infrarot-Fotografie, Farbe, 1970er Jahre
© ICCD /Aerofototeca
In Italien
Das Luftbildaufnahmen-Archiv Aerofototeca wurde 1958 vom Erziehungsministerium gegründet, um zum Verständnis und zum Schutz des nationalen Erbes in Umwelt, Architektur, Archäologie und Kunst beizutragen. Aerofototeca, die seit 1973 ein Teil der Ufficio Centrale del Catalogo ist, richtete den Fokus anfangs auf archäologische Erkundungen, bevor die Aktivitäten auf die Erkundung der Landschaft in ihrer Gesamtheit ausgeweitet wurden. Seit vielen Jahren erwirbt Aerofototeca
Websites:
- http://www.iccd.beniculturali.it/istituto/aerofototeca.html
- http://www.iccd.beniculturali.it/servizi/aerofototeca.html
- http://www.iccd.beniculturali.it/standard/fotoaeree.html
In Poland
